Gedanken und Fortschritte zum Science-Fiction Rollenspiel Xegity

Sa, 04 Apr 2009

RPC 2009: Eindrücke vom Freitag

Da die RPC dieses Jahr in Köln und damit quasi praktisch vor meiner Haustür stattfindet, sah ich keinen guten Grund nicht hinzugehen und so machte ich mich Freitag Mittag auf den Weg zur Messe. So richtig nach Großveranstaltung sah es schon am Eingang nicht aus, keine Menschenmassen und eine erschreckend riesig und leer wirkende Eingangshalle. Nungut, es war ja auch noch »früh« und außerdem ein Werktag, an dem ja sowieso nur Studenten etc. Zeit haben. Ich bezahlte also den großzügig dimensionierten Eintrittspreis für eine Tageskarte und machte mich auf in die Hallen.

Für jemanden, der ansonsten die Spiel in Essen (am Samstag) gewöhnt ist, gab es nun erstmal einen Schock: Wo sind die Leute? Und soweit das Auge reicht nur Computerspiele! Der Gedanke, gleich wieder zu gehen, blitzte kurz aber merklich auf. Womit sollte man hier wohl einen Tag verbringen (geschweige denn zwei oder drei)? Ich habe dann aber (glücklicherweise) den Schock überwunden und mich auf einen ersten Rundgang gemacht.

Für Unterhaltung schien jedenfalls gesorgt. Allein in der Haupthalle zwei Bühnen, auf denen diverse »Events« stattfinden - das meiste davon wohl Marketing oder Computerspielturniere, aber auch einige Musikacts. Die eher schummrig beleuchtete erste Halle ist dabei für die Hauptsponsoren vorgesehen. Neben den bereits erwähnten Computer-Rollenspielen und Hardwareherstellern gab es auch einige LARP-Ausrüster dort. Im Großen und Ganzen nichts für mich, aber die zahlreichen Möglichkeiten, Online-Rollenspiele kostenlos zu spielen, wurden anscheinend rege genutzt.

Ein wenig Erleichterung setzte dann ein, als ich die zweite (heller beleuchtete) Halle betrat. Hier sah es fast ein wenig aus wie in der Rollenspielhalle auf der Spiel - nur eben mit viel weniger Leuten und weniger Ausstellern. Die Wichtigsten allerdings waren alle vorhanden, wie ich nach anfänglicher üblicher Messeverwirrung (hier war ich doch schon? oder?) bald herausfand. Da waren auch die ganzen Rollenspielforen und die großen und kleinen Verlage, etwas abseits aber unübersehbar und zahlreich vertreten.

Ein Highlight an dieser Stelle ist sicher auch das 50.000-Orks Projekt, wo sich Leute die Mühe gemacht haben, die Schlacht von Minas Tirith historisch akkurat mit Miniaturen nachzustellen - 50.000 eben und alle Regimenter originalgetreu aufgestellt.

Mein erster Rundgang führte mich dann nach draußen, wo es sich die LARPer bequem gemacht hatten (auf der RPC neben den Computergamern sicher mit die größte Fraktion). Hier nahm ich dann auch mit Wohlwollen die Außenbühne zur Kenntnis, die vollkommen für Musikdarbeitungen genutzt wurde. Das wunderbar sommerliche Wetter und die Aussicht auf die Elfen (;)) ließen mich dann auch eine Weile dort verharren, wobei ich den Klängen einer Mittelalterband namens Versengold lauschen konnte. In den Texten ging es hauptsächlich um das Saufen, was auch die Hauptbeschäftigung der LARPer zu sein schien! Aber ist ja nicht schlimm.

Hier zeigte sich jedenfalls wieder der »Eventcharakter« der RPC: Außer der Verkaufsfunktion gibt es eben auch ein Unterhaltungsprogramm bestehend aus Musik, Marketing und diversen Schaukämpfen oder Tänzen. Das finde ich durchaus sehr schön an der Veranstaltung. Man kann sich da eben auch mal vom Rumlaufen, Einkaufen und Reden in einer entspannten Atmosphäre erholen. Da wiegt der relativ hohe Eintrittspreis dann auch nicht mehr ganz so schwer.

Mir ist dann aber eingefallen, dass ich ja eigentlich nicht zur RPC gekommen bin, um mich berieseln zu lassen und Werbegeschenke einzusammeln. Ich erinnerte mich an die Verlagsstände und habe mich dann für 13Mann entschieden. Der Prometheus Stand sah zwar auch sehr verlockend aus, aber über die neue Version von Traveller wollte ich schon lange mehr erfahren. Nicht zuletzt habe ich da ja auch ein gewisses »professionelles« Interesse. ;) Am Stand angekommen wurde ich gleich freundlich empfangen und bekam einen Slush in die Hand gedrückt - bei dem doch sehr warmen Wetter eine willkommene Erfrischung. Masterbrain (von Fundus Ludi anscheinend) nahm sich dann die nächsten paar Stunden Zeit um mich in einem epischen Vortrag über Traveller aufzuklären und wirklich alle meine Fragen erschöpfend zu beantworten. Zusammenfassend gesagt ist Traveller wohl nicht revolutionär und kann von der Aufmachung her auch nicht mit neueren Produkten (einschließlich derer aus dem gleichen Haus) mithalten. Aber es bietet anscheinend für alle typischen Probleme des SciFi-Rollenspiels Lösungen. Ob die auch Hand und Fuß haben, wird die weitere Lektüre zeigen (worüber ich dann sicher auch berichten werde). Jedenfalls macht das Ganze einen recht vollständigen Eindruck und die Lifepath-Charaktererschaffung wirkt in der Tat reizvoll. In den Genuss einer Demorunde kam ich aber leider nicht, da sich dafür bei dem geringen Besucherandrang einfach keine Leute fanden.

Mir wurde dann auch noch kurz Rolemaster vorgestellt - ich hatte das System in Erinnerung als »dieses Rollenspiel mit den vielen Tabellen«, und dieser Eindruck bestätigte sich dann auch vollstens. Das ist sicher nicht jedermanns Sache (es gibt ein Kampfhandbuch mit etwa 300 Seiten Umfang, das nur aus Tabellen besteht), ich muss aber sagen, dass ich mir durchaus vorstellen kann, dass das Ganze Spaß macht, einfach deswegen, weil in den Tabellen eine Menge liebenswerter Details versteckt sind. Da hat sich wirklich jemand Mühe gegeben.

Cutter (ebenfalls von Fundus Ludi) hat mir dann bei einem weiteren Slush noch kurz die Neuentwicklung Heredium vorgestellt - ein Endzeit-Rollenspiel mit einer optimistischen Grundnote (so habe ich es jedenfalls verstanden) und einer Unmenge von Fraktionen, die ihrerseits wieder in charakteristische Gruppen gespalten sind. Das Setting wirkt sehr dicht und offen, und das Buch ist sowohl optisch als auch vom Umfang her (so um die 450 Seiten) ein Schmuckstück. Leider war mein Budget bereits erschöpft, aber ich werde das System definitiv mal auf dem Radar behalten, zumal dies auch keine Übersetzung sondern Made in Germany ist.

Alles in allem Lob an das sehr hilfsbereite und nette Standpersonal, auch wenn ich es sehr schade fand, dass ich an keiner Demorunde teilnehmen konnte.

Als nächstes habe ich mir dann etwas zu Essen besorgt (zum Messepreis, aber nicht ganz so unverschämt wie auf der Spiel - und einen recht leckeren Apfelkuchen) und draußen in der LARP Zone auf den Auftritt von Jan Hegenberg gewartet. Der hat dann auch mit etwas Verspätung eine kurzweilige Show (»Open-Air Probe«) mit seiner Band geboten. Es waren zwar auch da nicht viele Leute, aber immerhin mehr als sonst irgendwo auf der RPC. ;) Musikalisch war das sicher eines der Highlights der Veranstaltung, wobei ich fairerweise sagen muss, dass ich ja nicht alle Bands gehört habe. Es hat mich etwas verblüfft, dass das Außenprogramm bis 22:45 (oder so) laufen sollte, aber die Messe nur bis 20:00 geöffnet ist. Da ich so lange aber nicht bleiben wollte, habe ich auch nicht genau herausgefunden, was es damit auf sich hat. Vielleicht kann mich ja jemand erleuchten.

Als nächstes machte ich mich dann endlich auf zur Indie-Insel. Dort vertrieb man sich bei dem einen oder anderen Bierchen gepflegt die Zeit und schien mit fremden Besuchern wohl so gar nicht zu rechnen. Egal, ich wurde auch dort sehr freundlich empfangen und über die vorliegenden Indie-Rollenspiele aufgeklärt. Die meisten davon sind tatsächlich englischsprachig - wie man mir sagte, weil es wohl nicht so viele »gute« deutsche Indie-Rollenspiele gibt! Eine traurige Erkenntnis, aber widerlegen konnte ich das nun auch nicht aus dem Stegreif. ;) Dafür haben die Indies aber teils doch recht beeindruckende Production Values, die dazu führen, dass diese bei meiner Ankunft schon alle ausverkauft waren.

Zu einer Demorunde kam es auch hier leider wieder nicht, diesmal, weil es schon zu spät war. Dafür hat Jörg Dünne mich umfassend über Reign und seine Eigenentwicklung Western City informiert. Ich hoffe, dass ich bei einer anderen Gelegenheit diese doch sehr interessant wirkenden Systeme mal spielen kann. Schließlich bekam ich noch ein Indie-Insel-»Fan-Paket«, und dann machte ich mich auch schon wieder auf den Weg.

In der Haupthalle trat gerade eine seltsame Band namens Van Canto auf - ohne Gitarren, aber mit (nicht so schlechtem) Schlagzeug und jeder Menge Sängern (und einer Sängerin), die teils sehr interessante Geräusche machten. Nennenswerte Lyrics gabs auch nicht aber laut war es wenigstens. Das Ganze war wohl ebenfalls als Promo für ein Computerspiel gedacht. Unprofessionellerweise wollte die Band mit dem Verweis auf die Uhr keine Zugabe geben, trotz der begeisterten Rufe des Publikums. Jan Hegenberg hat das jedenfalls sehr wohl gemacht! Nun war es aber auch schon 19 Uhr und die Hallen fingen an, noch leerer zu wirken als jemals zuvor. Ich machte mich dann auch auf den Heimweg.

Meine anfänglichen Befürchtungen haben sich jedenfalls nicht bestätigt. Ich habe den Tag auf der RPC gut überstanden und das auch ohne Langeweile und um eine Menge interessanter Informationen reicher. Durch das Rahmenprogramm eigentlich sogar etwas involvierter als auf der Spiel, aber dafür eben wegen des freitäglichen Besuchermangels leider ohne Demorunden. Dazu muss ich noch sagen, dass mir eine Demorunde am Samstag angeboten wurde, aber noch eine Tageskarte wollte ich dann doch nicht kaufen. Zur Größe (nur zwei Hallen) muss man natürlich auch berücksichtigen, dass der Rollenspielbereich für sich betrachtet in Essen nicht viel größer ist - dafür hat man aber eben noch die ganzen anderen Spielvarianten dabei. Aber wenn man dem Veranstalter glauben darf, dann ist die RPC ja stark im Aufwind. Alles in allem würde ich wieder hingehen, wenn auch vielleicht dann als SL oder sogar (wer weiß) Standpersonal auf der Indie-Insel. Eine Rollenspielmesse in Köln ist wirklich eine nette Sache.

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